Beichte
Die Beichte hat zweifellos in ihrer Geschichte größere Wandlungen des äußeren Erscheinungsbildes mitgemacht als jedes andere Sakrament. Gerade deshalb, weil sie so persönlich ist, musste sie in den wechselnden Konstellationen der menschlichen Individualität und der Kulturen des Sichöffnens und des Sichverschließens auch verschiedene Formen annehmen.
KNA
Junge Menschen beichten während des Weltjugendtages 2019 in Panama City.
Nach dem Zweiten Vatikanum hat man versucht, solche neuen Möglichkeiten zu schaffen, wovon ich eine davon sehr gut finde, nämlich die gemeinsame Gewissenserforschung, die eine Hilfe für das individuelle Bekenntnis sein kann.
Die zweite Form war die Schaffung von Beichtzimmern, wo dann Beichte gesprächsweise erfolgen kann. Auch das kann eine große Hilfe sein, den Menschen aufzuschließen, die Schwellen zu überwinden, die für einen jeden vor dem Bekenntnis liegen. Es kann natürlich auch dazu führen, dass Beichte zerredet und psychologisiert wird und sich in ihrer eigentlichen Größe auflöst.
Sehr ausgebreitet hat sich die Kollektivabsolution, die aber keine eigene Form der Beichte sein kann – deren Wesen ja gerade die Verpersönlichung ist –, und die nur in ganz außergewöhnlichen Situationen sinnvoll ist und stattfinden kann.
Gott und die Welt. Glauben und Leben in unserer Zeit. Ein Gespräch mit Peter Seewald, Stuttgart 2000, 361 f.